Das Innere Jerusalem

Jerusalem ist offensichtlich ein zentraler Punkt des Planeten, wo heute Hass und Leiden, Unverständnis und Krieg herrschen… Doch wie ist es möglich, dass wir die Stadt des Lichts weinen hören, wenn doch ihr Name „Stadt des Friedens“ bedeutet. In Jerusalem treffen drei Religionen aufeinander, die alle drei die Liebe und Gnade Gottes verkünden und zu Toleranz und Respekt des Lebens aufrufen. Was geschieht dort eigentlich?

In der Altstadt befindet sich die nördliche Mauer des alten Tempels von Salomon, die auch die„Klagemauer“ genannt wird. Wenn wir sie mit geschlossenen Augen berühren nehmen wir etwas Geheimnisvolles, eine kraftvolle geheime Stelle hinter dieser Mauer wahr, die unsere Seele aus den Tiefen der Erde heraus berührt. Das Heiligste des Heiligen ruft uns. Es sei dort, wo die Bundeslade und die Schrifttafeln von Moses zu finden seien. Die jüdische Tradition übermittelt, das nur der große Cohen (Priester), der rein genug ist, um den Namen Gottes auszusprechen, sich dorthin begeben könne, da die Schwingungen dieses Ortes so hoch sind. Es ist ein heiliger und symbolischer Raum, wo Gott und der Mensch sich in ihrer höchsten Verwirklichung vereinigen.

Unmittelbar darüber befinden sich die berühmte Esplanade und die großartige Moschee von Omar, die in Azurblau und Gold gehalten ist und unter dem Licht der Sonne glitzert. Sie ist auf dem Felsendom errichtet, der ein heiliger Ort des Islam ist, da dort Mohammed seine Nächtliche Reise oder seinen Aufstieg in die sieben Himmel vollzogen hat. Zu Beginn richteten sich die Islamisten beim Gebet nach Jerusalem aus. Danach wandten sie sich aufgrund von Streitigkeiten mit den Juden nach Mekka hin, dem Ort der Geburt und des Wirkens von Mohammed.

Und es war auch in Jerusalem, wo Jesus zuletzt intensiv gewirkt hat, Jesus, der uns ein derart breites spirituelles Wissen und Erbe hinterlassen hat, das nur die Intelligenz der Seele wirklich verstehen kann.

„Jerusalem, wenn ich dich vergesse, soll meine rechte Hand austrocknen und meine Zunge soll an meinem Gaumen festkleben, wenn ich mich nicht an dich erinnere, wenn ich Jerusalem nicht auf den Gipfel meiner Freuden setze“ heißt es in einem jüdischen Gebet.

Doch was stellt Jerusalem dar, um so in einem Gebet erwähnt zu werden? Warum ist es so wichtig, sich an diese Stadt zu erinnern, in einem Maße, dass es sogar besser sei, sich selbst die Fähigkeit zum Handeln und Sprechen zu nehmen anstatt im Unbewussten und im Vergessen zu handeln.

Durch dieses Gebet können wir verstehen, dass Jerusalem – oder Yerushalayim auf hebräisch – mehr ist als nur eine irdische Stadt. Jerusalem stellt eine Bewusstseinsebene der Freude und der Liebe dar. Jerusalem ist das Gelobte Land, das „Land des Versprechens“, auf das wir uns zubewegen und das niemals vergessen werden darf. Jerusalem ist der Garten Eden, das Paradies, das archetypische Zuhause, dessen Name je nach Tradition ändert.

In der Johannesoffenbarung, die reich an Mystik und Unterweisungen ist, erfahren wir:

“ Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.  Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.“ (Offenbarung 21.1. und 2.)

Dieser Text kündigt ein Rendezvous, eine Hochzeit, eine Vollendung an. Es liegt an uns, uns darauf vorzubereiten. Heute weint die Erde unter dem Joch der Menschen, die vergessen haben, wer sie sind. Aufgrund der Resonanz manifestiert auch der Körper der Erde nicht die Herrlichkeit des Lichtkörpers. Ein zerbrechlicher Körper, der krank werden kann, altert und stirbt, „Staub, der zu Staub zurückkehrt“. Ein Körper, eine Erde die leiden, da Yerushalayim in ihnen noch nicht offenbart ist.

Unser Herz kann verstehen, was die Kinder Abrahams in Israel/Palästina zerreißt; es ist der Spiegel eines subtileren Krieges in einem Jeden von uns ist. Anzunehmen, dass das, was sich im Äußeren abspielt, Strömungen widerspiegelt, die uns selbst beleben, ermöglicht es uns, durch eine innere Transformation ins Handeln zu gehen. Können wir immer noch glauben, dass wir nicht betroffen sind? Betrachten wir die Situation etwas näher:

Unbewusst leben wir im Allgemeinen wie zweigeteilt, wobei die Grenze sich im Bereich des Solarplexus befindet. Die obere Welt – der Kopf, das Mentale – hält die Zügel, schätzt die untere Welt – die Triebe, die sexuelle Energie oder breiter gesehen die Schöpfungskraft, die Lebenskraft – gering, möchte sie dominieren, . Wenn wir diesen einfachen Begriff etwas tiefer betrachten, können wir wahrnehmen, in welchem Maße diese zwei Welten, die in uns koexistieren, sich nicht verstehen und sich seit Jahrtausenden bekriegen. (Besonders auf energetischer Ebene kennen wir unsere Augen, unseren Kopf, unsere Arme und unsere Hände… doch viel weniger unseren Bauch, unsere Geschlechtsorgane, unsere Gesäßbacken, unsere Beine). Durch diese Trennung wird unser Bewusstsein zu Stolz, und das Feuer des Lebens wird umgeleitet. Und doch ist es essentiell, dass diese zwei Welten verstehen, dass sie ohne die andere nicht vollständig sind, so wie Ismael und Israel, die Nachkommenschaft von Abraham.

Die biblische Geschichte Abrahams lässt uns verstehen. So war seine Gattin Sara – deren Name die Prinzessin bedeutet – unfruchtbar. Sara schlug Abraham vor, mit ihrer Sklavin Hagar ein Kind zu zeugen, und so wurde Ismael geboren, der Urvater des arabischen Volkes. Die Rivalität zwischen den beiden Frauen ist symbolisch und deutet auf Bewusstseinsebenen in uns selbst hin. Hagar, die das „Schöpfungsfeuer“ innehat, doch nicht die „Krone“, macht sich öffentlich über Sara, die keine Kinder bekommen kann, lustig. Im Gegenzug dominiert und demütigt Sara Hagar, da sie als „offizielle“ Gattin Abrahams alle Rechte über sie hat. Jede von ihnen hat etwas, was die andere nicht hat. Durch göttliche Intervention gebährt jedoch Sara später Isaac, den Vater von Jakob/Israel, dessen 12 Söhne am Ursprung der 12 israelischen Stämme stehen. Ismael seinerseits hatte auch 12 Söhne.

Ismael ist symbolisch verbunden mit dem Schöpfungsfeuer, dieser wunderbaren Kraft, die aus der Erde aufsteigt und gen Himmel emporsteigen möchte. Israel steht in Verbindung mit der Krone, und die Energie, die mit diesem Wort verbunden ist, ist goldenes Licht, das durch den Kopf in uns eindringt und unser ganzes Sein durchfließt. Wenn das kleine ich nachgibt, sich dem Göttlichen hingibt, können wir das Zusammentreffen und die Vereinigung dieser zwei Ströme in uns erfahren und leben.

Durch diese Hochzeit erscheint das wahre, endlich wiedervereinte Yerushalayim. Frei von jeglicher Dualität können wir ins Heiligste des Heiligen eintreten, das in der Heiligkeit des Herzens liegt. Die Christuswirklichkeit des Menschen offenbart sich in einer ungeahnten Dimension der Liebe. Nach und nach und wenn wir dies in der Einfachheit unseres Herzens wirklich wollen, können wir im wirklichen Frieden von Yerushalayim baden und so zur Manifestation dieses Friedens auf der Welt beitragen.

Islam bedeutet „Unterwerfung“, sich Gott unterwerfen, sich dem Gesetz der Liebe unterwerfen. Diese Unterwerfung verlangt die vollständige Hingabe unseres Seins, sie lädt uns ein, den Kopf zu beugen, damit die Lebenskraft und Intelligenz der Seele alleine unsere Schritte beleben. „Herr, dein Wille geschehe“.

Wenn Israel sich nicht öffnet für seinen Bruder Ismael, ist es das Mentale, das ablehnt, die Kontrolle abzugeben und das sich so vom göttlichen Feuer abschneidet und dadurch unfruchtbar wird. (Israel wird übrigens von Gott in der Bibel „das Volk mit dem steifen Nacken“ genannt).

Wenn sich Ismael nicht für seinen Bruder Israel öffnet, ist es das Lebensfeuer, das umgeleitet wird und dadurch zerstörerisch wird statt zur Krone, dem Bewusstsein, aufzusteigen. Auf energetischer Ebene bedeutet dies, dass die Schöpfungsenergie nicht in uns aufsteigen kann, da sie auf der Höhe des Bauchchakras und Solarplexus auf eine geschlossene Türe trifft.

Die jüdische Tradition muss sich öffnen und die spirituellen Schätze der Kabbalah mit jedem, der danach fragt, teilen. Ja, Israel muss lernen zu teilen, seine Krone mit seinem Bruder Ismael zu teilen. Das setzt voraus, dass unser Kopf sich beugt, damit die falsche Krone, d.h. der Stolz, niederfällt und der wirklichen Krone des göttlichen Bewusstseins den Platz überlässt.

Wenn man dem Egregor des immer weiter wachsenden Islam subtiler lauscht, erweckt dieser den Eindruck eines kraftvollen Feuers, das erwacht, das eine Verbindung zur Kundalini herstellen lässt, dieser Energie, die an der Basis unserer Wirbelsäule schläft und die auch in Resonanz zum Herzen der Erde schwingt. Welche Richtung wird diese atemberaubende Kraft einschlagen? Hier geht es nicht um die Menschen individuell gesehen, sondern um das kollektive Bewusstsein des moslemischen Egregor innerhalb der Menschheit. Damit dieses Feuer ein Schöpfungsfeuer des Lebens und der Liebe sein kann, muss es frei zur Krone aufsteigen können.

Wir tragen Israël und Ismael in uns. So wie eine Zelle unseres Körpers die Information des ganzen Körpers in sich trägt, ist jeder von uns gleichzeitig auch die gesamte Menschheit. In der Bewusstheit dieser Zusammenhänge können wir handeln. Sara und Hagar müssen sich ihre gegenseitigen Demütigungen vergeben. Sie sind zwei Gesichter der Einzigen Gattin…

Dies ist die aktuelle Herausforderung, vielleicht mit etwas überraschenden Worten dargestellt.  Yerushalayim ruft uns im Tiefsten unseres Seins.  Yerushalayim ist der Glanz der wiedergefundenen Einheit, der wirkliche Frieden des Herzens und des Körpers. Es liegt an uns, wenn wir dies möchten, dies zu erbauen und gemeinsam ins gelobte Land einzutreten. Es liegt an uns, Yerushalayim an die Spitze unserer Freuden (wie es im oben erwähnten Gebet heißt) zu setzen, um zu verkünden, dass wir alle seine Kinder sind und es nicht vergessen haben.

www.marie-elia.com – La Jérusalem interieure
Übersetzung: Manfred Soran Wirtz, http://www.torindiegalaxien.de/

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